Dennis Meadows in Ulm

"Handeln bewirkt mehr als Worte."

Von

28. Mai. 2019

Der Autor von „Grenzen des Wachstums“ begeistert sein Publikum auch noch 47 Jahre nach dem Erscheinen des denkwürdigen Berichts des Club of Rome zur Lage der Menschheit.


Dennis L. Meadows, der schon vor Jahrzehnten vor der Ausbeutung der Umwelt warnte, erhielt am 24. Mai in München den mit 30 000 Euro dotierten Deutschen Kulturpreis. Meadows hatte 1972 gemeinsam mit anderen Autoren die millionenfach verkaufte und in zahlreiche Sprachen übersetzte Studie «Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit» veröffentlicht.

 

Fotos und Text: Klaus Rederer

Abends folgte der Preisträger einer Einladung an die Universität Ulm und begeisterte hier sein zahlreich erschienenes Publikum. Der Hörsaal 4 im zentralen Hauptgebäude war vollständig belegt.


Begrüßt wurde Meadows vom Präsidenten der Ulmer Universität, Professor Michael Weber, der seine Originalausgabe von Grenzen des Wachstums mitbrachte, die er bereits 1978 erworben hatte und den Gast bat, ihm am Ende der Veranstaltung das Buch zu signieren. Im Zusammenhang auf die Wirkungsmacht von Meadows Werk verweist Weber auf die "Pupils for Future", die auch an diesem Tag wieder in der Stadt demonstrierten.

In seiner Einleitung zum Thema des Abends verwies Professor Peter Rademacher auf die damals absolute Neuheit der wissenschaftlichen Methode dieses Berichts des Club of Rome, als er 1972 erschien. Zu dieser Zeit fand auch in Stockholm die erste internationale Umweltkonferenz statt.
Der Club of Rome wollte eine starke Botschaft senden und entschied sich für dieses Format: Computersimulationen und den Einsatz von Prognosesoftware.
Es sei das erste Mal überhaupt gewesen, dass eine Weltsimulation verwendet wurde, und die Prognosen waren richtig. Allerdings erwiesen sich die anfänglichen Reaktionen der Menschheit als sehr überschaubar. Heute hingegen sind die Bedeutung und die Richtigkeit von Meadows Arbeit unbestritten.


Anders als die beiden Vorredner eröffnete Dennis Meadows seinen Vortrag auf Deutsch, meinte dann aber launig, es wäre hier offensichtlich üblich, Englisch zu sprechen, dann wolle er sich dieser Gepflogenheit doch anschließen.

Launig, wie er begonnen hatte, blieb der gesamte Vortrag des Ökonomie-Professors aus Amerika, trotz des ernsten Themas. So bat Meadows seine Zuhörer "doch mal die Arme vor der Brust zu verschränken und darauf zu achten, welche Hand oben ist." Rechte und linke Hände, die oben waren, hielten sich die Waage. Nun forderte er uns auf, die Arme andersherum zu verschränken, nämlich so, dass die Hand, die unten war, jetzt oben liegt. Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus, war aber machbar. Meadows meinte hierzu, dass es oft unbequem und manchmal auch ein bisschen schwierig sei, Gewohnheiten zu ändern, aber meistens machbar.


Dann erzählte er von der Entstehung seines Werks „Die Grenzen des Wachstums“, wie anders und aufwendig es seinerzeit war, große Mengen Fakten und Material ohne Google und das Internet in Bibliotheken und Archiven zusammen zu tragen, und dass die Computertechnik sich damals noch in den Anfängen befand. Auch konnte man sich damals nur schwer vorstellen, dass der Mensch mit seinem Wirken die gesamte Umwelt tatsächlich weltweit schädigen könne. „Wir dachten, dass die Ozeane so groß sind, dass es nicht möglich ist, sie ernsthaft zu gefährden.“ 


Meadows und sein Team konzentrierten sich bei Ihren Betrachtungen im Wesentlichen auf fünf Schwerpunkte: Das Wachstum Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen. Bei den 1992, 2004, 2012 und 2015 erschienenen Folgeschriften wurden die Ansätze dann etwas modifiziert. Erst hätten Energie und Ressourcen sowie das Bevölkerungswachstum eigene Modelle bekommen, dann wären die Erderwärmung und das Artensterben im Besonderen berücksichtigt worden.  An den Ergebnissen der Analysen und Betrachtungen habe sich aber wenig geändert.


Die Kapazitäten des Planeten werden bereits überbeansprucht, die Tendenzen der gesamten Entwicklung verheißen nichts Gutes, wenn nicht sofort und umfassend umgesteuert würde. Es ist nicht mehr möglich ernste Veränderungen des Klimas zu vermeiden, selbst wenn wir heute den CO2 Ausstoß auf 0 reduzieren, aber wir machen weiter, als wäre nichts geschehen.
„Wenn wir heute die Kurve kriegen, können wir bei 2,5  Grad landen, 1 Grad haben wir schon.“ Der Meeresspiegel wird steigen, extreme Wetter Phänomene werden zunehmen und die Landwirtschaft beeinträchtigen. Es wird mehr Seuchen und Krankheiten geben und Energie wird deutlich teurer. Seit 1994 verbraucht die Welt mehr Öl, als neue Quellen gefunden werden.
„2020 wird der Fracking Boom enden und die Ölreserven werden knapper.“
Die Rolle der Energie Exporteure wird gewichtiger, die Importeure werden schwächer, als Beispiel nannte er das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland.

„Politischer Wandel wird kommt, wir befinden uns in keiner stabilen Situation.“
Wir sind in der Phase, in der das Wachstum und der dadurch entstehende Druck aufeinander reagieren. Das wird in den nächsten 20 Jahren spürbar, der Prozess kann 100 Jahre dauern, dann beginnt das große Schrumpfen, die Kurven kippen, der Prozess wird nicht freundlich oder friedlich verlaufen.
Die „negative population growth economics“ in den überalternden europäischen Gesellschaften heute durch Einwanderung lösen zu wollen, verlagere lediglich das Problemen der Überalterung und des Schrumpfens auf der Zeitachse. "Wir lösen es damit nicht, besser heute mit dem Schrumpfen anfangen, als morgen."
Die kritischen knappen Ressourcen müssen schon heute teurer werden, damit die Wirtschaft nach einem Ersatz oder die Gesellschaft nach alternativen Verhaltensweisen ändern können. „Wir müssen handeln, bevor das Problem da ist. Auf der Titanic war es zu spät, als man den Eisberg gesehen hat.“


Zum Schluss seines kurzweiligen und hochinteressanten Vortrags erlaubte sich Professor Meadows noch einen tiefgründigen Scherz. „Um eine gemeinsame Außenwirkung zu erzielen, bitte ich Sie alle auf meine Zeichen einmal in die Hände zu klatschen. Ich zähle auf drei und sage dann „clap“. Bitte klatschen Sie einmal bei „clap“. Meadows zählte, eins, zwei und bei drei klatschet er schon in die Hände und fast alle klatschten mit.

„Nun haben wir erlebt, dass Worte wichtig sind, aber Handlungen mehr bewirken."

Der darauf folgende Applaus war tosend. Dennis Meadows hatte einen begeisternden Auftritt und vielen viel zum Nachdenken gegeben. Die anschließende offene Diskussion war lebhaft und das Englisch der Ulmer Studentinnen und Studenten von meist hoher Qualität.


Buchtipp von Dennis Meadows an diesem Abend:

Challenge of Man's Future
Harrison Brown , 1954

 

 

Bücher von Meadows zum Thema des Abends:

Die Grenzen des Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit
von Dennis Meadows , Donella H. Meadows , et al., 1972

Die neuen Grenzen des Wachstums
von Donella H. Meadows (Autor), Dennis Meadows (Autor), Jørgen Randers (Autor),  1992

Grenzen des Wachstums - Das 30-Jahre-Update: Signal zum Kurswechsel
von Donella Meadows, Jorgen Randers, et al. 2015

 

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